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Bilanz JVA Gelsenkirchen

Seit gut einem Jahr hat die Justizvollzugsanstalt in Gelsenkirchen-Feldmark einen neuen Leiter: Julius Wandelt. Der 52-jährige hat dort keinen leichten Job übernommen. Schließlich stand die JVA in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik. Von schlechten Haftbedingungen war die Rede, und auch beim Personal gab es Probleme. Der Krankenstand war außergewöhnlich hoch.

Nach den ersten zwölf Monaten seiner Amtszeit zieht Julius Wandelt jetzt eine erste positive Bilanz: "Ich bin zufrieden, wir haben hier einiges bewegt." Unter anderem ist der Männer- und Frauenbereich der JVA erfolgreich zu einer Anstalt zusammengelegt. Außerdem wurde für die Insassen das Betreuungsangebot verbessert. So gibt es jetzt eine Arbeitstherapie-Maßnahme. "Es ist wichtig, dass wir die Leute wieder an das normale Leben gewöhnen", erklärt Wandelt. Auch das Freizeit-Angebot wurde ausgeweitet. Die Insassen können jetzt zum Beispiel mit Ton oder Holz arbeiten. "Viele Straftaten da draußen passieren aus Langeweile, wir wollen den Leuten zeigen, wie sie ihre Freizeit sinnvoll gestalten können", fügt Wandelt hinzu.

Auch bei den vielen Vorwürfen ist inzwischen zumindest zum Teil Licht ins Dunkel gekommen. Bei dem mutmaßlichen Missbrauchsfall ist ein Häftling vom Gericht zu einer weiteren Haftstrafe verurteilt worden. Der Mann hatte einen Mithäftling geschlagen und ihn zum Selbstmord aufgefordert. Von Missbrauch könne hier aber keine Rede sein, sagt Wandelt. Aber die Gewalt mache eben auch vor den Gefängnistüren nicht Halt.

Auch der mutmaßliche "Pornoskandal" ist inzwischen mehr oder weniger aufgeklärt. Ein Vollzugs-Beamter hatte Fotos von einer Insassin gemacht. "Diese hat er dann aber nicht ins Internet gestellt oder anderswo veröffentlicht", so Wandelt, "er hat sie lediglich an den Freund der Insassin, der in einem anderen Gefängnis einsitzt, geschickt." Die Fotos waren dort bei einer Kontrolle aufgefallen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind in diesem Fall allerdings noch nicht abgeschlossen.

Trotz erster Erfolge sieht Wandelt noch viel Arbeit vor sich. So soll zum Beispiel die Betreuung drogenabhängiger Insassen verbessert werden. "Wir müssen nach der Umstrukturierung jetzt aber auch schauen, dass wir wieder in den normalen Arbeitsfluss zurückkehren", erklärt Wandelt.

Insgesamt sind in der JVA in Gelsenkirchen-Feldmark 440 Männer und 180 Frauen inhaftiert. Die Haftstrafen reichen dabei von wenigen Wochen bis lebenslänglich. "Wir sind hier ein Gemischtwarenladen", sagt Wandelt.


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