Die WM in Gwangju (Teil 2)

Im dritten Blog gibt's weitere Eindrücke von der Schwimm-WM!

Jessica Steiger als Schwimmerin in der 4x100 m Freistil-Staffel
© Jessica Steiger

Hallo Leute,

willkommen zu Teil 2 aus Gwangju & damit zu einer Dosis Praxisnähe aus dem Alltag einer Schwimmerin bei der WM.

Morgens klingelt der Wecker 7 Uhr - klingt nicht für alle früh, aber ihr werdet später noch verstehen, warum man sich dort lieber noch dreimal umgedreht hätte. Nach einem ausgewogenen Frühstück, wo die kohlenhydratreiche Banane natürlich nicht fehlen darf, geht es zum Ort des Geschehens, der Schwimmhalle. Mit einem Shuttlebus voller Athleten geht die 20 minütige wilde Fahrt los. Da natürlich ALLE Athleten zur selben Zeit in die Halle wollen, fährt der Bus nicht wie ursprünglich geplant alle 30 min, sondern alle 5 min - weil sich die Athleten fast verprügelt hätten, wer zuerst in den Bus einsteigen dürfte.

Bombastischer Weg in die Schwimmhalle

Der Moment, wenn man die Halle betritt, lässt das frühe Aufstehen und die Müdigkeit vergessen. Einfach Wahnsinn! So etwas kennt man in Deutschland gar nicht! Damit 11.000 Zuschauer in die Halle passen, wurde extra die Glasfront des Schwimmbades entfernt und eine Tribüne extern angebunden! Wie viel Arbeit das sein muss! 

Die Schwimmhalle in Gwangju mit vielen Zuschauern.
© Jessica Steiger
© Jessica Steiger

Gerade angekommen geht es auch schon los mit der Erwärmung und dem Einschwimmen. Wenn man sich das Einschwimmen allerdings ansieht, möchte man am liebsten wieder abhauen. Da will man wirklich nicht rein - wieso? Stellt euch mal vor, es teilen sich 20 bis 30 Leute eine Bahn. Manche davon sind über zwei Meter groß und gefühlte zwei Meter breit (Muskelmasse natürlich). Rücksicht nehmen auf andere? Fehlanzeige - wer nicht aufpasst oder nicht schnell genug ist, wird eiskalt überschwommen. Tritte und Kratzer oder ungewolltes Abtauchen sind an der Tagesordnung.

Athleten haben es eng

Im Gegensatz zu den Zuschauern haben wir Athleten nicht so viel Platz. Jedes Land hat gemäß seiner Teilnehmerzahl einen Platz zugewiesen bekommen, der mit einem Klebeband auf dem Boden gekennzeichnet ist (das Bild zeigt das Beispiel der Bahamas). Hier warten und bereiten wir uns auf unsere Starts vor und werden anschließend massiert.

Der abgeklebte Bereich für die Sportler, am Beispiel der Bahamas
Der abgeklebte Bereich für die Sportler, am Beispiel der Bahamas.© Jessica Steiger
Der abgeklebte Bereich für die Sportler, am Beispiel der Bahamas.
© Jessica Steiger

Athleten, die eine Medaille oder eine besondere Leistung abgerufen haben, werden nicht nur von der eigenen Nation applaudierend empfangen, sondern auch von anderen. Das allein gibt schon gute Laune und ein Gänsehautgefühl, wenn plötzlich alle beginnen zu klatschen und zu pfeifen. Team World!

Wisst ihr eigentlich, wie es bei uns abläuft, bevor wir die Halle betreten?

Wir müssen 20 min vor unserem Start im ersten Callroom sein. Dort wird nicht nur unsere Akkreditierung kontrolliert, sondern auch unser Wettkampfanzug, unsere Badekappe und alles, was wir dabei haben. Alles muss regelkonform sein. Anschließend werden wir zum zweiten Callroom geführt - dem „Final Callroom“. Die Volunteers stellen uns in richtiger Reihenfolge zum Einlaufen auf. Man steht hinter einem Vorhang und hört schon das Publikum! Spätestens hier fängt das Bauchkribbeln an! 

Dei 4x100 m Freistilstaffel vor dem Start
© Jessica Steiger
© Jessica Steiger

Dann fährt die Wand hoch und man wird in diese atemberaubende Atmosphäre geworfen. Man saugt für einen kurzen Moment einfach alles auf und spürt, wie der Boden vibriert. Danach ist man aber vollkommen im Tunnel! Man will einfach zeigen, was man kann und dass es endlich losgeht. 

Was passiert nach dem Rennen?

Nach dem Rennen ist man ziemlich fertig. Körperlich und mental fällt die ganze Anspannung und der Druck ab. Doch bevor wir uns ausruhen können, müssen wir erst durch die „Mixedzone“ und Interviews geben. Egal ob es gut oder schlecht lief, man stellt sich den Fragen und hofft natürlich auf nette Reporter. :-)

Jessica Steiger wird nach dem Rennen interviewt
Jessica Steiger wird nach dem Rennen interviewt.© Jessica Steiger
Jessica Steiger wird nach dem Rennen interviewt.
© Jessica Steiger

Anschließend müssen wir eine gefühlte Ewigkeit zurück zu unserem Platz laufen, mit dem Trainer sprechen, ausschwimmen, zur Physio und endlich duschen.

Zum Schluss nochmal die Erklärung, warum 7.00 Uhr ziemlich früh ist. Die Finals in Gwangju beginnen erst um 20 Uhr und enden um 22:30 Uhr. Bis man alles erledigt, den Shuttlebus erwischt und gegessen hat, ist es schon nach 0.00 Uhr. Naja und dann versucht mal mit so vielen Eindrücken und dem Adrenalin, das man nicht so schnell abbaut, einzuschlafen. ;-)

Bis demnächst,

Jessy

Ein Blick hinter die Kulissen in den Physio-Bereich

Blick hinter die Kulissen der Schwim-WM in Gwangju 2019.

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