
Nahost
Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat nach eigenen Worten beim Treffen mit Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu klargemacht, dass er im Iran-Konflikt weiter auf Verhandlungen setzt. Er habe darauf «bestanden», dass die Verhandlungen mit dem Iran weitergeführt werden, um herauszufinden, ob ein Deal zustande kommen kann, schrieb der Republikaner auf der Plattform Truth Social. Wenn ja, wäre das die von ihm bevorzugte Option. Angesichts der angespannten Lage im Nahen Osten und der erhöhten Kriegsgefahr hatten israelische Medien das Treffen als wegweisend eingestuft.
Die siebte Zusammenkunft der beiden seit Trumps Amtsantritt ereignete sich wenige Tage, nachdem Vertreter der USA und des Irans vergangene Woche in Omans Hauptstadt Maskat neue Verhandlungen begonnen hatten. Trump stellte danach eine Fortsetzung in Aussicht – ein genauer Termin dafür steht bisher nicht fest.
Israel warnte wiederholt vor einem Abkommen mit dem Iran, das sich nur auf das Atomprogramm beschränkt. Der jüdische Staat sieht sich durch das Programm in seiner Existenz bedroht. Gleichzeitig fordert Israel aber auch, dass der Iran sein Arsenal ballistischer Raketen und die Unterstützung seiner israelfeindlichen Verbündeten in der Region herunterfährt. Teheran will dagegen nur über das Atomprogramm verhandeln.
Trump spielt nach Netanjahu-Treffen auf militärische Angriffe an
Nach der Zusammenkunft mit Netanjahu im Weißen Haus sprach Trump von einem «sehr guten Treffen», bei dem allerdings nichts Definitives vereinbart worden sei – abgesehen von seinem Beharren auf Verhandlungen. Das letzte Mal habe sich der Iran gegen ein Abkommen entschieden und sei dann von US-Angriffen auf iranische Atomanlagen getroffen worden, schrieb Trump. Für den Iran sei das nicht gut gewesen. «Hoffentlich werden sie dieses Mal vernünftiger und verantwortungsbewusster sein.»
2025 kam es trotz Verhandlungen zum Krieg
Washington und Teheran hatten bereits im vergangenen Jahr über Irans umstrittenes Atomprogramm verhandelt, die Gespräche waren jedoch bei zentralen Fragen ins Stocken geraten. Nur einen Tag vor Beginn der geplanten sechsten Verhandlungsrunde im Juni 2025 griff Israel dann den Iran an. Die Streitkräfte der Islamischen Republik reagierten mit Raketenbeschuss. Knapp eine Woche später schloss sich das US-Militär dem Krieg an und bombardierte zentrale Atomanlagen. Trump sagte damals, Irans Nukleareinrichtungen seien komplett vernichtet worden.
Die neuen Verhandlungen ereignen sich auch vor dem Hintergrund einer aufgestockten US-Militärpräsenz in Nahost. Trump veranlasste diese auch deshalb, weil es im Januar Massenproteste im Iran gegeben hatte, die der staatliche Sicherheitsapparat brutal niederschlug. Trump hatte der iranischen Führung daraufhin mit einem militärischen Eingreifen gedroht und die US-Militärpräsenz in der Region unter anderem mit dem Flugzeugträger «USS Abraham Lincoln» gestärkt. In einem Interview mit dem US-Nachrichtenportal «Axios» sagte Trump jüngst, dass er erwäge, einen weiteren Flugzeugträger in die Region zu senden.
Was Israels Position zu den neuen Verhandlungen ist
Netanjahu betonte bei dem Gespräch mit Trump mit Blick auf die neuen Verhandlungen mit dem Iran die Sicherheitsbedürfnisse seines Landes. Außerdem sei es um den Gazastreifen und die Lage in der Region gegangen, teilte Netanjahus Büro nach der Zusammenkunft mit. Mit Trump habe er sich auf eine «Fortsetzung der engen Koordination und des engen Kontakts zwischen ihnen» geeinigt.
Mehrere israelische Medien berichteten, Israel halte einen Krieg mit dem Iran für unvermeidlich und letztlich nur für eine Frage der Zeit. Als Grund wurde eine unnachgiebige Haltung Teherans bei den Verhandlungen genannt.
