Verbindung in Kindesmissbrauchsfällen von Lügde und Bergisch Gladbach gefunden

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Kindesmissbrauchsfall von Lügde und dem erst in Bergisch Gladbach entdeckten Kindesmissbrauch-Netzwerk? Ermittler sind auf eine Verbindung gestoßen. Strafrechtlich relevant ist der Zusammenhang nach bisherigen Erkenntnissen aber nicht. Das sagten Justizminister Peter Biesenbach und Innenminister Herbert Reul.

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Rückblick: Vor einem Jahr erschütterte der Missbrauchsfall von Lügde Nordrhein-Westfalen. Dutzende Kinder wurden von den zwei Haupttätern auf einem Campingplatz im ostwestfälischen Lügde sexuell missbraucht. Die beiden Männer hielten die Gewalttaten auf tausenden Bild- und Videodateien fest. Im September 2019 wurden sie zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Kurz danach, im Oktober 2019, wurde in Bergisch Gladbach ein Mann wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs festgenommen. Bei der Hausdurchsuchung finden die Ermittler mehrere Terabyte Material. Ausgehend von Bergisch Gladbach wurde der massenhafte Missbrauch von Kindern durch Mitglieder eines Chat-Netzwerkes aufgedeckt. Die Täter sollen Fotos und Videos von Missbrauchstaten in Chat-Gruppen mit bis zu 1800 Mitgliedern verbreitet haben. Die Ermittler arbeiteten sich durch riesige Mengen von Daten mit belastendem Material.

22 Beschuldigte

Nach Angaben des NRW-Justizministeriums (Stand Anfang Januar 2020) gibt es in der Sache in NRW derzeit 22 Beschuldigte. Mutmaßliche Tatorte sind Bergisch Gladbach, Viersen, Krefeld, Dortmund, Aachen, Alsdorf, Kamp-Lintfort und Duisburg. Zudem hat die Polizei Köln 21 Hinweise auf Straftaten in zehn andere Bundesländer weitergeleitet. Bundesweit gibt es somit mehr als 50 Verdächtige.

Querverbindung in den Fällen

Nun sind die Ermittler auf eine Querverbindung zwischen den Fällen Lügde und Bergisch Gladbach gestoßen. Aus Sicherheitskreisen heißt es, die Ermittler prüften schon seit längerem Verbindungen zwischen Verwandten des mutmaßlichen Täters von Bergisch Gladbach und dem Campingplatz in Lügde. Aus Sicht der Ermittler könnte es sich auch um einen Zufall handeln.

Laut Medienberichten gibt es eine Verbindung zwischen einem der mutmaßlichen Täter aus dem Komplex Bergisch Gladbach und dem Campingplatz in Lügde. Ein Verwandter des mutmaßlichen Täters soll in den Achtzigern und Neunzigern einen Stellplatz auf dem Campingplatz in Lügde gehabt haben. Er soll selbst wegen Missbrauchs verurteilt worden sein. Ein weiterer Verwandter soll den Wohnwagen später an einen der Täter von Lügde verkauft haben. 

Es können auch Zufälle sein

NRW-Justizminister Peter Biesenbach sagte am Rande des Rechtsausschuss des Landtages, dass die Ermittler keine strafrechtlich relevanten Zusammenhänge zwischen Lügde und Bergisch Gladbach gefunden haben. Innenminister Herbert Reul äußerte sich ähnlich. Reul sagte in seinem Statement, dass es sich bei den Verbindungen um Zufälle handeln könnte: „Ungewöhnliche Zufälle - aber so ist es eben manchmal.“

Autorin: Christina Höwelhans/dpa

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