Vor 50 Jahren starb Jimi Hendrix

Jimi Hendrix
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Gitarrengott

New York (dpa) - Das Leben von Jimi Hendrix war kurz und rauschhaft. Er wurde nur 27 Jahre alt - wie auch Janis Joplin, Jim Morrison und Kurt Cobain.

Jahrelang faszinierte die Gitarren-Legende die Fans mit Klangteppichen wie Gewitter. Hendrix ließ sein Instrument explodieren, brummen, heulen und krachen wie niemand vor und niemand nach ihm. Die «Rock & Roll Hall of Fame» nannte das Idol der amerikanischen Hippie-Bewegung den «begabtesten Instrumentalisten aller Zeiten». Vor 50 Jahren (18. September) starb Jimi Hendrix.

Seine Karriere begann der 1942 in Seattle geborene Hendrix im Alter von 20 Jahren - im Rampenlicht standen zunächst aber andere. Hendrix begleitete Stars wie Curtis Knight, Ike & Tina Turner oder Sam Cooke an der Gitarre. «Jimi stahl mir die Show. Ich dachte, die Leute applaudierten mir, aber sie applaudierten ihm», erinnerte sich Little Richard, der im Mai diesen Jahres starb, später. Hendrix wollte mehr als nur Begleitmusiker sein, eine eigene Karriere als Gitarrist, Sänger und Songwriter starten.

Doch für seine unkonventionelle Art, die Gitarre mit den Zähnen und auf dem Rücken zu spielen, war das amerikanische Publikum in New York Mitte der 60er noch nicht reif. 1966 überredete ihn Chas Chandler, Bassist der Band The Animals, mit ihm nach London zu kommen. Gemeinsam mit dem Schlagzeuger Mitch Mitchell und dem Bassisten Noel Redding gründete er die Band The Jimi Hendrix Experience. Ihre Show entwickelte sich zu einer Sensation und Hendrix zu einem schwarzen Musiker mit einem weißen Publikum. Stars wie Paul McCartney, John Lennon, Pete Townshend und Eric Clapton waren begeistert.

Die erste Single der Band, eine Interpretation des amerikanischen Folksongs «Hey Joe», schaffte es auf Platz sechs der britischen Charts. Die Band veröffentlichte bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1969 drei Alben mit populären Titeln wie «Purple Haze», «Little Wing» oder «Vodoo Child». Das letzte Album «Electric Ladyland» schaffte es bis auf Platz eins der amerikanischen Billboard-Charts.

Doch das Publikum liebte besonders die Live-Auftritte. Wie Hendrix da, die toupierten Haare kunstvoll von einem Stirnband gehalten, mit Fingern, Lippen und Zähnen sein Instrument bearbeitete, zum Liebesobjekt machte und am Schluss oft zerstörte. Der Verstärker blieb fast immer aufgedreht. «Der Glaube kommt zu den Leuten durch Elektrizität», sagte Hendrix. «Darum spielen wir so laut. Wir wollen, dass unser Sound direkt die Seele der Menschen trifft.»

Seine Version der amerikanischen Nationalhymne «The Star Spangled Banner» beim legendären Festival von Woodstock 1969 wurde zum historischen Meilenstein der Musikgeschichte. Bei dem Auftritt imitierte Hendrix mit der Gitarre auf brachiale Weise Maschinengewehre, Bombeneinschläge und Militärflugzeuge. Viele sahen es als Protest gegen den Vietnamkrieg.

Hendrix selbst aber gab sich in der «Dick Cavett Show» wenig später zurückhaltend, er habe vor dem Auftritt einen Nervenzusammenbruch gehabt, erzählte er da. Zu seiner Interpretation der US-Hymne sagte er nur: «Ich weiß nicht, Mann. Alles, was ich getan habe, ist sie zu spielen. Ich bin Amerikaner, also habe ich sie gespielt.» Er habe es auch nicht «unorthodox» gefunden, sondern nur wunderschön.

In dem TV-Interview verriet Hendrix dabei auch, wie müde er sei. Er habe die Nacht zuvor nicht geschlafen. Nicht nur die Schlaflosigkeit sollte ihm mehr und mehr zum Verhängnis werden. Der Aufstieg zum Weltstar und die immensen Erwartungen überforderten ihn. Hendrix begann, immer mehr Drogen zu konsumieren und sich zurückzuziehen. Seinen letzten Rausch - nur wenige Tage nach seinem Auftritt auf Fehmarn - überlebte er nicht.

Um Hendrix' Tod im Londoner Apartment seiner deutschen Freundin Monika Dannemann rankten sich lange Zeit Gerüchte. Allen Anzeichen und auch der offiziellen Version zufolge aber starb die Gitarren-Legende am 18. September einen kleinen, elenden und zufälligen Tod. Nach einer Flasche Wein und möglicherweise zu hoch dosierten Schlaftabletten erstickte er an seinem eigenen Erbrochenen.

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