Leben als Spitzensportler - Teil 1

Heute möchte ich euch von dem Spagat zwischen Schule, Uni und dem Sport berichten.

Jessica Steiger sitzt auf einem Sprungbrett über dem Wasser.
© Radio Emscher Lippe

Als ich 2016 mit 24 Jahren zum ersten Mal bei einer Europameisterschaft schwamm, fragte mich Christian Keller - ehemaliger Spitzenschwimmer und Sportmoderator der ARD - warum man vorher noch nie etwas von mir gehört habe. Diese Frage ist leicht zu beantworten: Seitdem ich zwölf Jahre alt bin, betreibe ich Leistungssport. Als ich noch zur Schule gegangen bin, bin zwei- bis dreimal in der Woche vor dem Unterricht (5:30-7:00 Uhr) zum Training gegangen und dazu täglich nach der Schule (16:00-19:00 Uhr). Sonntags habe ich ebenfalls trainiert. Für Hausaufgaben und andere Aktivitäten blieb nur begrenzt Zeit - vor allem, wenn ich am Wochenende einen Wettkampf hatte, der morgens um 8 Uhr begann und gegen 18 Uhr endete. Ich war auf keiner Sportschule, bei der ich mein Abitur strecken und meinen Fokus allein auf das Training legen konnte. Ich musste beides so gut wie möglich durchziehen. Dabei hatte die Schule für mich natürlich Priorität.

Nach der Schule erstmal NUR Training - so war zumindest der Plan...

Als ich mit der Schule fertig war, wollte ich mich ein Jahr nur auf mein Training konzentrieren. Ich wollte wissen, wie gut ich sein kann ohne anderen zusätzlichen Stress. Blöderweise hatte ich zwei Monate später einen Trainingsunfall und brach mir nicht nur ein Stück von meiner Kniescheibe ab, sondern erlitt auch einen Kapselriss. Das war es dann mit meiner Saison! Nach einer aufwendigen OP und drei Monaten auf Krücken, konnte ich wieder ins Training einsteigen und mich zurück kämpfen. Meine Familie und ich beschlossen jedoch, dass es der richtige Schritt wäre, mich von nun an erst einmal auf mein Bachelorstudium zu konzentrieren. Die Verletzung hat gezeigt, wie schnell es gehen kann und wie wichtig es ist, auf eine solide Ausbildung zu setzen. Ich wollte mein Studium in Regelstudienzeit abschließen und erst danach wieder voll ins Training einsteigen. So hatte ich zumindest die Sicherheit, dass ich direkt einen Beruf ausüben könnte, sollte ich meinen Sport nicht mehr absolvieren können.

Studieren + angehende Profi-Sportlerin = Stress pur!

Da ich in Essen studiert habe, war meine Fahrtzeit deutlich länger als zu meiner damaligen Schule. Ich musste noch früher mit dem Frühtraining beginnen, noch mehr hetzen, noch mehr lernen und hatte noch weniger Zeit für alles andere - vor allem verkürzte sich meine Schlafenszeit. Nicht gerade optimale Voraussetzungen, um auf einem Spitzenniveau zu schwimmen. Dennoch bin ich dran geblieben und bei jeder Deutschen Meisterschaft unter die Top 5 geschwommen. Der große Clou kam aber eben erst 2016, als ich mit 24 Jahren und einem abgeschlossenen Studium die Goldmedaille bei den Deutschen Meisterschaften über 200m Brust gewann und mich für meine erste Europameisterschaft qualifizierte. Spitzenleistungen sind eben erst dann möglich, wenn man den Kopf frei hat und sein Leben ganz nach dem Sport ausrichten kann. Warum wir deutschen Athleten uns allerdings mehr Sorgen um unsere Zukunft machen müssen als andere Nationen, erfahrt ihr im zweiten Teil. Bis bald!

Eure Jessy

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