Leben als Spitzensportler - Teil 2

Dieses Mal möchte ich euch von Herausforderungen als Sportlerin berichten, wenn es um's Geld geht.

Jessica Steiger in einer roten Trainingsjacke mit Mütze auf.
© Jessica Steiger

Teil 2 beginne ich mal mit einem - wie ich finde - sehr treffenden Zitat von Markus Deibler (Schwimmweltmeister und Weltrekordhalter):

In einem Land, in dem ein Olympiasieger 20.000€ Prämie bekommt und ein Dschungelkönig 150.000€, sollte sich niemand über fehlende Medaillen wundern.

Teil 1 könnt ihr hier nochmal lesen.

In Deutschland werden von uns Sportlern Medaillen auf internationaler Ebene gefordert - am liebsten natürlich olympisches Gold. Doch fast keiner macht sich Gedanken darüber, wie schwer es ist, überhaupt auf internationalem Niveau mitzuhalten. Denn im Gegensatz zu uns deutschen Sportlern (wenn unsere Sportart nicht gerade Fußball ist) wird unsere internationale Konkurrenz so stark gefördert, dass sich niemand Gedanken um seine Zukunft machen braucht. Die finanzielle Förderung und auch Wertschätzung des Sports ist in anderen Ländern deutlich höher als in Deutschland. Hier wird man zwar für seinen Fleiß bewundert, aber auch als „verrückt“ erklärt, wenn man berichtet, dass man bis zu zwölfmal in der Woche trainiert und auf finanzielle Unterstützung durch die Eltern angewiesen ist.

Ohne meine Eltern wäre das alles nicht möglich gewesen

Meinen Weg bis an die deutsche Spitze haben allein meine Eltern finanziert, wofür ich ihnen sehr dankbar bin. Denn ohne sie wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin. Mittlerweile habe ich ein paar kleinere Sponsoren und eine finanzielle Förderung durch die Deutsche Sporthilfe. Davon kann ich jedoch kein bisschen zurücklegen. Es reicht zwar, um meine Miete zu zahlen und mich zu verpflegen - aber wisst ihr, was ich für meinen Sport ausgebe, um auf so einem Niveau schwimmen zu können? Ich zahle hunderte von Euro für Nahrungsergänzungsmittel, damit meinem Körper kein Nährstoff fehlt und ich die optimale Leistung aus mir herausholen kann - es zählt schließlich jede Hundertstel-Sekunde. Hinzu kommen Kosten für Physiotherapeuten, Osteopathen, Trainingslager (4-5x im Jahr) und Wettkampfanzüge, die ca. 400€ kosten.

Die Anzüge sind quasi Einweg - und das aus gutem Grund

Was schätzt ihr, wie oft man im Spitzenbereich einen Wettkampfanzug tragen kann? Ich benutze auf sehr wichtigen Wettkämpfen, wie z.B. einer EM oder WM, keinen Anzug, den ich öfter als 3x angehabt habe. Warum? Sie sind mit einer speziellen Schicht versehen, die uns im Wasser höher liegen lässt und das Wasser abperlt. Je öfter man den Anzug trägt, desto schneller geht diese Schicht ab. Internationale Top-Leute tragen so einen Anzug z.B. nur einmal! Das kann ich mir leider nicht leisten.

"Wieso tust du dir das überhaupt an???"

Lange Rede, kurzer Sinn: allein durch meinen Sport komme ich auf Ausgaben im fünfstelligen Bereich pro Jahr. Und dabei zähle ich nur das, was wirklich notwendig ist, wenn ich es überhaupt in ein Finale einer internationalen Meisterschaft schaffen möchte. Ich werde häufig gefragt, warum ich mir das überhaupt „antue“. Ich liebe meinen Sport. Ich möchte herausfinden, wie viel ich aus mir herausholen kann und stecke mir dafür immer neue Ziele. 

Als Kind habe ich immer gebannt vor dem Fernseher gesessen und alle internationalen Meisterschaften im Fernsehen geschaut. Mit 16 Jahren habe ich die Eröffnungsfeier und die Wettkämpfe bei den Olympischen Spielen in Peking gesehen. Ich war Feuer und Flamme und habe mir fest vorgenommen, irgendwann auch dabei zu sein - und genau dafür schufte ich jeden Tag. 

Bis bald!

Eure Jessy

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