
- Anwalt hat drei Musterklagen beim Landgericht Essen eingereicht
- Laut Sachverständiger zu wenige Sicherheitsvorkehrungen
Anwalt Daniel Kuhlmann hat drei Musterklagen beim Landgericht Essen eingereicht. Er fordert die volle Haftung der Bank für die entstandenen Schäden. Laut DPA musste das Landgericht den Eingang der Klagen zunächst an die Beklagte, die Sparkasse, zustellen, bevor es zu weiteren Schritten kommt. Eins der Opfer, für das der Anwalt jetzt klagt, soll 400.000 Euro verloren haben, die aus dem Verkauf einer Eigentumswohnung stammten. Weitere Kläger berichten von Bargeld und Schmuck im Wert von rund 120.000 Euro sowie Gold im Wert von 50.000 Euro. Diese Fälle sind mit Quittungen und Augenzeugen belegt. Zusätzlich gibt es Hinweise auf mögliche Sicherheitsmängel. Ein Sachverständiger für Sicherungssysteme kommt zu dem Schluss, dass der Einbruch mit hoher Wahrscheinlichkeit hätte verhindert werden können, wenn die Bank angemessene technische Schutzvorkehrungen getroffen hätte, wie beispielsweise Bewegungsmelder im Tresorraum.
Um den betroffenen Kunden zu helfen, hat die Sparkasse eine zentrale Servicestelle eingerichtet. Diese wird ab Montag (02.02.) am Bahnhofsvorplatz 3 in der Gelsenkirchener Innenstadt geöffnet sein, werktags von 8 bis 19 Uhr. Die Sparkasse kontaktiert die betroffenen Kunden und bittet sie, die Inhalte ihrer Schließfächer in einer Inventarliste zu erfassen, die per E-Mail oder persönlich eingereicht werden kann.
Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren
Nach dem Einbruch in die Sparkassen-Filiale in Gelsenkirchen-Buer hat die Polizei umfangreiche Ermittlungsarbeiten aufgenommen. Rund 350 Polizeibeschäftigte aus Nordrhein-Westfalen sind in der sogenannten BAO "Bohrer" aktiv. In den vergangenen Wochen wurden über 1.100 Termine mit geschädigten Schließfachinhabern vereinbart. Bisher wurden mehr als 840 betroffene Kunden vernommen. Die Polizei Gelsenkirchen betont, dass Geschädigte nicht eigeninitiativ per Telefon kontaktiert werden. Diese werden gebeten, sich an die eingerichtete Hotline (0209 365 1661) zu wenden, um einen Termin für eine persönliche Vernehmung zu vereinbaren.
Die Polizei hat auch begonnen, schriftliche Vorladungen an geschädigte Kunden zu versenden. Zudem wurden Mitarbeiter der Sparkasse sowie zahlreiche Anwohner und Hinweisgeber vernommen. Einige Vernehmungen stehen weiterhin aus. Die Arbeiten im und am Tresorraum schreiten ebenfalls voran. Zahlreiche Beamte sind rund um die Uhr im Einsatz, um die zurückgelassenen Gegenstände auf Spuren zu untersuchen und sicher aufzubewahren. Während der Tat konnten mehr als 50.000 Gegenstände erfasst werden, darunter Wertsachen, aber auch zahlreiche Materialien, die durch Chemikalien oder Wasser kontaminiert wurden. Diese werden sicher verwahrt, auch wenn sie momentan nicht für Ermittlungen verwendet werden können. Parallel dazu gehen Kriminalbeamte den über 600 erfassten Hinweisen nach und sichten die zahlreichen gesicherten Videodateien.
Die Polizei Gelsenkirchen bittet weiterhin um Verständnis für die andauernden Ermittlungsarbeiten. Die Freigabe des Tatorts und die Herausgabe aller Gegenstände dauern noch an. Unterstützung erhalten die Ermittler von verschiedenen Polizeibehörden, dem Ministerium des Innern des Landes NRW und dem Landeskriminalamt NRW.