150 Jahre Kaugummi-Patent: Alles rund ums klebrige Etwas

Es hilft gegen schlechten Atem, gegen die Müdigkeit beim Autofahren und es hilft manchmal dabei, einfach nur cool rum zu stehen: Der Kaugummi.

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Das Stück Masse im Mund, das sich Kaugummi schimpft, ist bis in den letzten Winkel auf der Welt vorgedrungen. Und dieses klebrige Etwas feiert jetzt sein 150. Jubiläum. Denn am 27. Juli 1869 wurde dem Amerikaner Amos Tyler ein Patent für „eine verbesserte Kaugummi-Verbindung“ zugesprochen. 

Obwohl: Gekaut haben Menschen schon viel, viel früher. Das behauptet zumindest die Ernährungssoziologin Pamela Kerschke-Risch. Vor rund 9000 Jahren sollen Skandinavier beispielsweise auf dem Harz von Birken herumgebissen haben.

Wrigley und Co.

Nun kauen die Menschen teilweise stundenlang auf einer kleinen Masse Gummi herum – häufig um Stress und Aufregung zu regulieren. Es gibt unzählige Variationen des Kaugummis. Marken wie Wrigley’s, Orbit oder Mentos sind weltweit bekannt.

Kerry Gum aus Köln

Aus Köln gesellt sich mittlerweile auch eine Firma hinzu: Kerry Gum. Sie wird geführt von Michael Kreutz und seinem Vater Wilhelm, zwei waschechte Rheinländer, die „mit viel Liebe und Hingabe“ dabei sind.

Über 200.000 Dosen pro Jahr verkaufen sie. 30 Kaugummis befinden sich in einer ihrer Dosen – in vier verschiedenen Sorten, wie zum Beispiel „Energy“ oder „Liquid Mint“.

Plastik und Kunststoffe in den Kaugummis

Allerdings haben herkömmliche Kaugummis einen Haken. Sie bestehen nämlich zu einem großen Teil aus Kunststoff beziehungsweise Plastik, wie Butylkautschuk, der sich auch in anderen Lebensmitteln wiederfindet.

Kampf den Kaugummi-Resten

Der Kunststoff, den wir im Mund haben, erklärt übrigens dann auch die unzähligen zertretenen Flächen auf den Fußgängerasphalten und Straßen, die auch noch Jahre später zu sehen sind. Denn: Sie verroten in der Umwelt kaum.

Die Qual, die Schuhsohle von frischem Kaugummi zu befreien, ist immer groß.© Pixabay
Die Qual, die Schuhsohle von frischem Kaugummi zu befreien, ist immer groß.
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Deshalb haben schon einige Städte in Nordrhein-Westfalen dem Kaugummi den Kampf angesagt. So zum Beispiel in Duisburg, wo die Wirtschaftsbetriebe am Hauptbahnhof sogenannte Gum-Walls aufgestellt haben. Das achtlose Wegschmeißen soll zumindest reduziert werden, die Stadt kümmert sich schließlich um das Entsorgen und kann Kosten für die Entfernung von überall festgeklebten Kaugummis reduzieren.

Nachhaltiges Kaugummi von Forest Gum

Diese Probleme müssen eigentlich gar nicht vorkommen - geht es nach den Vorstellungen von Thomas Krämer. Der Kölner hat nämlich ein Crowdfundingprojekt gestartet und mit dem "Forest Gum" - ein nachhaltiges Kaugummi entwickelt.

Gründer Thomas Krämer mit seinem nachhaltigen Kaugummi "Forest Gum"© Schmidt/Radio NRW
Gründer Thomas Krämer mit seinem nachhaltigen Kaugummi "Forest Gum"
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Krämer und dem Team geht es vor allem darum, dass Menschen nicht "mehr auf Plastik kauen müssen." Dazu hat er sich bis nach Zentralamerika begeben. Dort will er Baumsaft aus dem so genannten Breiapfelbaum gewinnen. Keine Bäume werden geholzt, der Kaugummi besteht zu 100 Prozent aus nachhaltigen Produkten und die Familien in den Wäldern vor Ort sollen ebenfalls bessere Lebensbedingungen erhalten.

Bisweilen ist "Forest Gum" noch nicht erhältlich. Gerade läuft eine zweite Crowdfunding-Aktion, an der sich jeder hier beteiligen kann. Im Herbst 2019 möchte Krämer mit seinem Kaugummi in der Geschmacksrichtung Minze auf den Markt gehen und herkömmlichen Herstellern Konkurrenz bieten.

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